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Moderne Heimerziehung heute Band 7 und 8

Book Cover: Moderne Heimerziehung heute Band 7 und 8
Editions:Hardcover (Deutsch) - Moderne Heimerziehung heute Band 7 und Band 8 Evaluation der Systemischen Interaktionstherapie und -beratung

Mit dieser Veröffentlichung informiert die Ev. Kinderheim und Jugendhilfe Herne & Wanne-Eickel gGmbH vorab über zwei Teilbereiche einer Evaluation des Beratungsansatzes der Systemischen Interaktionstherapie (SIT), welche zurzeit in Herne, Berlin und Iserlohn durchgeführt wird.

Die Systemische Interaktionstherapie erklärt Auffälligkeiten und Probleme von Kindern als Ausdruck von Rollenzuweisungen und Beziehungsstörungen im Familiensystem. Mit Methoden des SIT - Modells und der entsprechenden Haltung werden Eltern darin bestärkt, problemlösende Interaktionsformen zu entwickeln und diese in ihrem Alltag umzusetzen. Das heißt, Eltern werden in der Rolle der Erziehenden gefestigt bzw. übernehmen diese Rolle wieder für ihre Kinder. Im Vordergrund steht nicht der intellektuelle Zugang, sondern die emotionale Erreichbarkeit. SIT ist eine für die einzelne Familie konzipiertes Instrument.

Wichtig ist, dass hier nicht die Fragestellung nach den Auffälligkeiten der Kinder im Vordergrund steht, sondern, entscheidend ist, ob die Familien motiviert bzw. aktiviert werden können, Veränderungsprozesse zugehen

Excerpt:

Vorwort

 

Mit dieser Veröffentlichung informiert die Ev. Kinderheim Jugendhilfe Herne &Wanne-Eickel gGmbH vorab über zwei Teilbereiche einer Evaluation des Beratungsansatzes der Systemischen Interaktionstherapie (SIT), welche zurzeit in Herne, Berlin und Iserlohn durchgeführt wird.

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Die Systemische Interaktionstherapie erklärt Auffälligkeiten und Probleme von Kindern als Ausdruck von Rollenzuweisungen und Beziehungsstörungen im Familiensystem. Mit Methoden des SIT-Modells und der entsprechenden Haltung werden Eltern darin bestärkt, problemlösende Interaktionsformen zu entwickeln und diese in ihrem Alltag umzusetzen. Das heißt, Eltern werden in der Rolle der Erziehenden gefestigt bzw. übernehmen diese Rolle wieder für ihre Kinder. Im Vordergrund steht nicht der intellektuelle Zugang, sondern die emotionale Erreichbarkeit. SIT ist ein für die einzelne Familie konzipiertes Instrument, welches in Herne in Jugendhilfeangeboten wie Triangel ambulant, Triangel Eitern-Kind-Haus, Soziale Gruppenarbeit / SIT-Familienarbeit, Grundlage der pädagogisch-therapeutischen Arbeit ist. Ziel ist die Entwicklung, Stärkung und Förderung der erzieherischen
Kompetenzen der Eltern.

Wichtig ist, dass hier nicht die Fragestellung nach den Auffälligkeiten der Kinder im Vordergrund steht, sondern entscheidend ist, ob die Familien motiviert bzw aktiviert werden können, Veränderungsprozesse zu gehen. Da die Problemlagen und die Veränderungsbereitschaft unterschiedlich sind, war und ist es aus Sicht der Ev. Kinderheim Jugendhilfe Herne & Wanne-Eickel gGmbH sinnvoll, je nach Fragestellung und Ausgangslage, unterschiedlicheAntworten bzw. Hilfesysteme vorzuhalten und anzubieten. Aus diesen Überlegungen heraus wurden in Herne und Dortmund die im nachfolgendenOrganigramm genannten sich unterscheidenden Angebote geschaffen, die ausschließlich das Ziel haben „Hilfe zur Selbsthilfe" zu gewähren.

Dr. Matthias Euteneuer beschreibt in einem Hinweis auf die SIT-Evaluationden Auftrag, den Herr Volker Rhein, Geschäftsführer der Ev. Kinderheim Jugendhilfe Herne & Wanne-Eickel gGmbH einem Forscherteam- 'Leitung: Prof. Dr. Uwe Uhlendorff, (TU Dortmund) - Durchführung: Dr. Matthias Euteneuer (TU Dortmund), Prof Dr. Mathias Schwabe (Evangelische Hochschule Berlin), David Vust (INIB - Institut für Innovation und Beratung Berlin)

erteilt hat wie folgt:

„... Da über die Erfolgserfahrungen der Praktikerinnen hinaus eine ausführliche, systematische und wissenschaftliche Untersuchung der Arbeit mit SIT bis dato fehlt, hat das Kinderheim Herne eine umfassende Evaluation des Ansatzes in Auftrag gegeben. Ziel ist es, fundierte Einschätzungen über die Wirkungsweise und die (nachhaltigen) Erfolge der Hilfen geben zu können. Dabei folgt die Evaluation eng den im SIT Ansatz formulierten Zielen und Ansprüchen und beleuchtet diese umfassend aus der Perspektive der Eltern sowie der Mitarbeiterinnen in den SIT Hilfen und im Jugendamt Iserlohn. Neben Einschatzungen zu dem Umfang der Zielerreichung sollen auch Annahmen über zentrale Wirkungsweisen des Ansatzes kritisch geprüft werden. Schließlich wird überprüft, inwiefern es gelingt, Belastungen im Familienalltag zu reduzieren und Ressourcen der Alltagsbewältigung zu erschließen.

Der SIT-Ansatz als eine speziell an die Jugendhilfe angepasste Variante lösungsorientierter und systemischer 13eratupgsansätze ist dabei durch vier zentrale Annahmen gekennzeichnet: Es wird angenommen, dass (1) eine aktive Haltung bzw. ein aktiver „Zustand" der Eltern Grundvoraussetzung für eine positive Entwicklung der Kinder in Familien ist. Aus dieser Perspektive zeigt sich oftmals, dass klassische Jugendhilfeangebote oft zu geringe Aktivierungsmöglichkeiten für Eltern zulassen. Aus der Sicht" von SIT ist damit die (2)

(In-)Aktivität der Eltern nicht vorrangig durch die individuellen Sichtweisen der Kinder, Jugendlichen und Eltern auf die (mutmaßlichen) Probleme oder die familialen Dynamiken in der Herkunftsfamilie (systemische Sicht 1. Ordnung) zu erklären, sondern wird vielmehr bestimmt durch Haltungen, Erklärungsmodellen und Problemdefinitionen der Helfenden sowie die Interaktionsmuster, die sich zwischen Familien und dem Helfersystem einstellen (systemische Sicht 2. Ordnung). Zentrale Forderung des SIT Ansatzes ist also, dass die Akteure des Hilfesystems ihr Handeln verstärkt reflektieren müssen, um eine „ungewollte aber wirkungsvolle" (Biene 2011, S.23) Deaktivierung von Eltern zu vermeiden. Gelingt dies, so liegt der weitere Fokus des Konzepts darauf, (3) die Eltern dazu zu befähigen, konkrete Hilfeziele aus meist generalisierten Problemwahrnehmungen herauszukristallisieren und (4) kreative Veränderungsmöglichkeiten für die alltäglichen familialen Interaktionsmuster zu entwickeln und auszuprobieren. Insgesamt verfolgt SIT damit den Anspruch, Veränderungen im Falle festgefahrener Eltern- Kind-Umwelt-Konflikte erzielen zu können, die sich teilweise im Kontext von Vorläuferhilfen verfestigt haben sowie bei Familien, in denen Hilfen aus anderen Gründen eher stagnierend verliefen.

Die praktische Arbeit mit dem Ansatz lässt sich in drei Phasen untergliedern: (i) Im Vordergrund der Hilfe steht zu Beginn sowie im fortlaufenden Prozess die Entwicklung eines sog. „Kooperationsmusters", welches als elternaktivierendes Interaktionsmuster zwischen Helfersystem und Familie verstanden werden kann. Dabei zielt das Kooperationsmuster darauf ab, dysfunktionale Mustertypen aufzulösen, in denen die Familien sich gegen das aus ihrer Sicht unberechtigte Hilfeangebot abwenden („Kampfmuster") oder in denen die Familien ihre Probleme an das Helfersystem abgeben (,‚Abgabe muster") (2) Konkrete Hilfeziele können erst dann formuliert werden, wenn Helfersystem und Eltern im Kooperationsmuster interagieren und damit eine Fokussierung der Problemlage erst ermöglichen, indem generalisierte Deutungen in greifbaren Problembeschreibungen konkretisiert werden.(3) Von den Hilfezielen ausgehend, können dann gemeinsam mit den Eltern problemstabilisierende Interaktionsmuster im Alltag ermittelt und alternative Verhaltensmuster erarbeitet werden. Übergreifend über alle drei Phasen ist zentraler Ansatz von SIT, die bestehenden „inneren" Bilder der Eltern und Fachkräfte zu identifizieren, ein Umdenken der Erlebnisse zu schaffen und damit neue Bilder. zu ermöglichen.

Die Evaluation dieses umfassenden Arbeitsansatzes ist in vier Teilstudien untergliedert und soll die SIT-Arbeit multiperspektivisch erschließen: (1) den ersten Teil der Studie bildet eine teilstandardisierte Telefonbefragung ehemaliger Nutzerinnen der SIT-Hilfen, die erste Aufschlüsse über Wirkungsgrad und Nachhaltigkeit der erlebten Hilfen geben wird. (2) Diese Ergebnisse werden vertieft durch die Auswertung und Beobachtung laufender Fallverläufe. Um die laufenden Fallverläufe adäquat dokumentieren und auswerten zu können, wurden mit den Fachkräften der Jugendhilfeeinrichtungen (im Sinne partizipativer Forschungsansätze) Dokumentationsbögen entwickelt, die eine Fallportfolioarbeit ermöglichen. Diese Form der Falldokumentation
erfordert eine hohe Motivation und viel Engagement der MitarbeiterInnen. Sie ermöglicht aber einen guten retrospektiven Nachvollzug der Fallverläufe und eröffnet die Möglichkeit (3) zu bestimmten hilferelevanten Zeitpunkten qualitative Interviews mit den Eltern durchzuführen. Diese geben Aufschluss über das Erleben von SIT aus Perspektive der Eltern und lassen Hypothesen über die Wirkungsweisen von SIT zu. Der letzte Teil der Studie umfasst (4) ExpertInneninterviews sowie Gruppendiskussionen mit Fachkräften des Jugendamtes Iserlohn. Hier geht es darum, Erfahrungsberichte in der konkreten Anwendung des SIT Ansatzes bei einem öffentlichen Jugendhilfeträger einzuholen und Möglichkeiten sowie Potentiale des Konzepts auszuloten ...

Literatur: Biene, Michael (2011): Systemische Interaktionsberatung - Einführung. S. 13-137 in: Volker Rhein (Hrsg.): Moderne Heimerziehung heute Bd.
2 & 3: Die Systemische Interaktionstherapie und die Psychomotorik in der Intensivpädagogik.

Frischtexte-Verlag: Herne."

 

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